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Gesundheitszentrum in Bremen nach Hamburger Vorbild

06.06.19Ein integriertes Gesundheitszentrum im Bremer Westen: Darauf hoffen Lokalpolitiker, der Gesundheitstreffpunkt West, das Ortsamt West und einige Gröpelinger Ärzte - unter ihnen Dr. Johannes Grundmann, der Vizepräsident der Ärztekammer Bremen. Wie so ein Gesundheitszentrum aussehen könnte, ließ sich eine Bremer Delegation nun in der Poliklinik Veddel in Hamburg zeigen.

Die Veddel – eine Insel in der Elbe - ist ein Stadtteil mit vielen Ähnlichkeiten zu Gröpelingen: Der Migrationsanteil unter den 5.000 Einwohnern beträgt 72,3 Prozent, das durchschnittliche Jahreseinkommen pro Kopf 15.800 Euro. Die gesundheitliche Belastung durch dort angesiedelte Industrie und starken Durchgangsverkehr auf mehreren großen Straßen ist so hoch, dass viele Kinder und Jugendliche unter Asthma leiden.

„Dazu sind auch noch viele Wohnungen verschimmelt, und viel zu viele Leute wohnen in viel zu kleinen Wohnungen“, sagt Millie Schroeder von der Poliklinik. „Größere Wohnungen sind für die meisten Menschen hier aber nicht zu bekommen – weil sie sie sich nicht leisten können oder sie niemand als Mieter haben möchte.“ Der Bedarf dieser Menschen gehe weit über rein gesundheitliche oder soziale Fragen hinaus, so Schroeder.

Hier setzt die Poliklinik an: Sie versteht sich als Stadtteilgesundheitszentrum, das eine interdisziplinäre, wohnortnahe Versorgung mit Fokus auf gesellschaftlich krankmachende Faktoren ermöglicht. Die Arbeit besteht aus drei Säulen: die primärmedizinische Versorgung, Sozial- und Rechtsberatung sowie kommunale Arbeit in Form von Präventionsprojekten.

Die Poliklinik liegt in einem Hinterhof in einer ehemaligen Polizeikaserne. Sie wurde Anfang 2017 eröffnet. „Nach einem etwas holprigen Start wird die Poliklinik nun gut angenommen“, sagt Millie Schroeder. „In der Allgemeinarztpraxis haben wir zum Beispiel inzwischen etwa 850 Scheine pro Quartal.“ Die Arztpraxis in der Poliklinik hat eine Sonderzulassung durch die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg. Auf der Veddel gibt es ansonsten nur noch einen weiteren Allgemeinarzt sowie drei Zahnärzte.

Für die Bedürfnisse der Stadtteilbewohner setzt die Klinik auf Vernetzung: Wer beim Arzt äußert, psychologische Hilfe zu brauchen, bekommt diese eine Tür weiter. Wer Unterstützung bei Behördengängen benötigt, sich zu Themen wie Ernährung und Gesundheitsprävention beraten lassen will oder Schwierigkeiten mit der Familie hat, bekommt hier auf kurzem Wege Hilfe. Inzwischen ist die Klinik auch zu einem Treffpunkt geworden, wo man auch erfährt, was im Stadtteil los ist.

Getragen wird die Poliklinik von einem gemeinnützigen Verein und viel Leidenschaft. Die angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich auch ehrenamtlich und beschaffen Fördermittel und Spenden. Die Stadt Hamburg fördert das Zentrum mit Quartiersmitteln, dazu kommt ein größerer Betrag der Robert-Bosch-Stiftung und private Spenden. Die Arztpraxis ist Untermieter des Vereins und trägt sich ansonsten selbst.

Helmut Zachau vom Gesundheitstreffpunkt West zeigt sich optimistisch, so eine Poliklinik in Form eines interdisziplinären Gesundheitszentrums auch in Bremen auf die Beine zu stellen. „Wir haben im Gesundheitstreffpunkt schon viele Beratungsangebote wie sie die Poliklinik auch vorhält“, sagt er. „Nun fehlt fast nur noch die direkte Verknüpfung mit der ärztlichen Versorgung.“ Der erste Schritt ist schon gemacht: Die Bremer Bürgerschaft beschloss Anfang Mai, dass der Senat bis Ende 2019 ein Konzept für ein integriertes Gesundheitszentrum im Bremer Westen mit den vor Ort tätigen Akteuren entwickeln soll.


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